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  • 9. November – Demo in Wuppertal

    Antifaschistische Gedenkdemonstration für die Opfer des
    Nationalsozialismus

    Die Verbrechen der Nationalsozialisten mahnen –
    „Erinnern heißt handeln!“ (Esther Bejarano)

    Kein Platz für Nazis in Wuppertal-Vohwinkel und anderswo!


    GEMEINSAME ANREISE AUS DÜSSELDORF!

    TREFFPUNKT: 16.45 UFA PALAST/HBF

    17:30 Uhr Lienhard-Platz: Teilnahme an der antifaschistischen
    Demonstration vor den Häusern der Nazis in der Kaiserstrasse (wir
    organisieren einen Antifa-Block)

    ab 19:00 Uhr Kundgebung der Kampagne „Kein Bier für Nazis“ vor dem
    Bierbrunnen und weitere Überraschungen…

    hier gehts zum
    Aufruf zum antifaschistischen BlockWir rufen dazu auf, gemeinsam in einem antifaschistischen Block auf die
    Demonstration zu gehen und vor den Häusern der Nazis in Vohwinkel zu
    demonstrieren. Der Antifa-Block wird sich gegen Nazi-Provokationen und
    -angriffe zu verteidigen wissen. Herumirrende Nazis werden wir
    entschlossen in ihre Schranken weisen.

    Ein weiterer Schwerpunkt des Antifa-Blocks wird die kreative
    Thematisierung der unsäglichen „Rechts-Links-Gleichsetzungen“ der
    Wuppertaler Polizei und mancher hinterwäldlerischer Politiker*innen
    sein. Wir behalten uns vor, zu intervenieren, wenn Politiker*innen
    wieder Antifaschist*innen mit Nazis gleichsetzen.

    Darüber hinaus werden wir selbstverständlich an die antisemitische,
    rassistische und islamfeindliche Politik der Sarrazins, Westerwelles und
    Möllemänner erinnern, deren gepflegter Extremismus der Mitte
    entscheidend zum rassistischen Klima in dieser Gesellschaft beiträgt und
    den Nazibanden erst den politischen Raum eröffnet hat.

    Es bleibt dabei: Antifaschismus ist Handarbeit!
    Organisieren wir die antifaschistische Selbsthilfe!

    Kommt alle, bringt eure Crews und Familien mit!

     

     

    Aufruf autonomer Antifaschist*innen aus Wuppertal

    Seit vielen Jahren erinnert die antifaschistische Bewegung am 9.
    November an die Pogrome vom 9.–11. November 1938 in Wuppertal. Ein
    zentraler Schwerpunkt unserer antifaschistischen Arbeit war und ist die Gedenkarbeit
    für die NS-Opfer. Die Parole „Kein Vergeben – kein Vergessen!“ ist für
    uns eine besondere Verpflichtung. So waren wir an der Kampagne in
    Mittenwald gegen die Gebirgsjäger beteiligt, organisierten Aktionen für
    die Entschädigung aller Zwangsarbeiter*innen oder demonstrierten gegen
    nicht verurteilte NS-Kriegsverbrecher wie Heinrich Boere und Theodor
    Oberländer. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen veranstalten
    wir regelmäßig Gedenkveranstaltungen, besuchen Widerstandskämpfer*innen
    und organisieren Gedenkstättenreisen nach Auschwitz, Westerbork und
    Buchenwald.

    Die antisemitischen Pogrome, die der Auftakt zu Judenvernichtung und
    Vernichtungskrieg waren, sind nicht vergessen! Im Gegenteil – die
    Verbrechen der Nationalsozialisten mahnen uns, das Entstehen einer neuen
    Nazi-Bewegung wirksam zu bekämpfen.

    Endlich

    Wir begrüßen es ausdrücklich, dass – endlich – die Wuppertaler
    Zivilgesellschaft das Naziproblem in Wuppertal-Vohwinkel ernstnimmt und am
    9.November auf die Strasse gehen will. Wir freuen uns sehr, dass wir
    jetzt spürbare Verstärkung bekommen und hoffen, dass wir mit der
    Gedenkdemonstration am 9.November an die entschlossenen und kreativen
    Aktionen gegen den Naziaufmarsch vom 29.1.2011 anknüpfen können.

    Wir autonome Antifaschist*innen übernehmen seit vielen Jahren die
    Verantwortung für den antifaschistischen Kampf und mussten uns
    wiederholt mit der Kriminalisierung durch die Polizei auseinandersetzen.
    Zuletzt wurden wir sogar von Lokal-Politikern und der Wuppertaler
    Polizei als sog „Linksextremistische Unruhestifter“ diffamiert und mit
    den Nazis gleichgesetzt.

    Nach dem versuchten Totschlag an einer jungen Frau und den zum Teil
    schweren Kopfverletzungen verursacht durch bekannte Nazischläger auf dem
    Vohwinkler Flohmarkt, werden und können aber wir nicht einfach zur
    Tagesordnung zurückkehren. Wir betonen noch mal: Wer mit Knüppeln auf
    ungeschützte Köpfe eindrischt, wie es bei dem Überfall durch die Nazis
    geschehen ist, kann niemals ausschließen, dass das Opfer stirbt.

    Wir müssen uns mit der gebotenen Vorsicht und Entschlossenheit ganz
    praktisch die Straße in Vohwinkel zurückerobern. Hauptziel unserer
    antifaschistischen Arbeit muss sein, dass auch die Vohwinkler*innen ihre
    Ängste überwinden, das Naziproblem in ihrem Stadtteil endlich ernst
    nehmen und mit Eigeninitiative angehen und bewältigen. Es gibt zum Glück
    zarte Ansätze einer antifaschistischen Zivilgesellschaft in Vohwinkel,
    die gestärkt und unterstützt werden müssen.

    Für die neuen Herausforderungen müssen wir lernen, solidarisch zu
    handeln und sorgsam antifaschistischen Selbstschutz zu organisieren.
    Dieses gemeinsame Handeln jenseits von politischen Unterschieden und
    sonst notwendigen Trennungen (hingewiesen sei ihr u.a. auf Hartz 4, Kriegsbeteiligung und rassistische Gesetzgebung, Atompolitik) ist eine zentrale Lehre der Überlebenden des Nazi-Terrors und der geschlagenen Arbeiter*innenbewegung.

    Die Wuppertaler Nazis und die Polizei

    Die Wuppertaler Neonazis, die sich offensiv „Nationale Sozialisten
    Wuppertal“ nennen, sind eine Mischung aus Straßennazis und Nazikadern,
    die in den letzten zwei Jahren bei allen relevanten Naziaktionen und
    -aufmärschen im gesamten Bundesgebiet beteiligt waren. Sie sind fest in
    das Nazinetzwerk „AG Rheinland“ eingebunden, um das sich ein ganzer
    Mikrokosmos von „sozialem“ Leben und Nazipolitik gebildet hat – vom
    alltäglichen Propagandadelikt übers nationale Fußballturnier, der
    Nazi-Hardcore-Party, dem wöchentlichen Demoerlebnis bis zur geplanten
    Gewalttat ist alles dabei. Ein Teil der Neonazis (Kevin Koch, Fabian
    Mayer) wird von den Führungsfiguren der bundesweiten NS-Szene zu Kadern
    ausgebildet. Sie übernehmen z.B. die bundesweite Medienarbeit der
    Nationalsozialisten und fungieren zunehmend als Redner oder Ordner.
    Diese bundesweite Einbindung könnte auch der Grund sein, dass sich der
    Staatsschutz und der VS für die jungen Nazikader bis hin zur
    Verpflichtung als V-Leute interessieren.

    Augenklappen für die Polizei

    Obwohl diese Nazis seit über einem Jahr in Wuppertal in aller
    Öffentlichkeit gravierende Straftaten wie Messerangriffe, bewaffnete
    Überfälle und antisemitische Propagandadelikte begehen, die nach unser
    Kenntnis auch nach dem deutschen Strafgesetzbuch strafbar sind, wurde
    die Stärke der Naziszene in Wuppertal von der Polizei bis letzte Woche
    herunterredet.

    Das hat sich jetzt überraschend geändert, weil der Leiter der
    Polizeiwache im der Nazi-Hochburg Wuppertal-Vohwinkel, Markus Preuß,
    unlängst gegenüber Journalist*innen von Radio Wuppertal und grünen
    Kommunalpolitikern seine Weltsicht erklärt hat: „Nazis machen in
    Vohwinkel kaum Probleme, das wahre Problem sind in Vohwinkel
    Linksradikale und Migranten.“ Das empörte die Grünen und die
    Journalist*innen so nachhaltig, dass die Grünen einen Offenen Brief an
    die Polizeipräsidentin schrieben und die Journalist*innen darüber
    berichteten, sodass der Polizist mittlerweile ein Disziplinarverfahren
    hat und in Urlaub geschickt wurde.
    (http://www.radiowuppertal.de/_pool/files/beitraege/1045942.mp3)

    Markus Preuß ist aber nur die Spitze des polizeilichen Eisberges. Noch
    brisanter ist das zwischendurch eingestellte Ermittlungsverfahren wegen
    des Naziüberfalls auf eine Filmveranstaltung des Medienprojektes im
    Cinemaxx. „Die Einstellung wurde damit begründet, dass es sich um ein
    nicht weiter aufklärbares tumultartiges Geschehen handelt, bei dem den
    Beschuldigten konkrete Tatbeiträge nicht nachgewiesen werden konnten“,
    erklärte Oberstaatsanwalt Wolf Tilman Baumert auf Anfrage.

    In 10 Monaten „polizeilicher Ermittlungsarbeit“ gab es nie einen
    ernsthaften Versuch, Zeug*innen des Überfalls zu suchen.
    Zeug*innenvernehmungen von schon bekannten
    Personen, die durch den Naziüberfall geschädigt wurden, wie z.B. die
    verletzten Security-Leute, der Kinobesitzer und die Leute vom
    Medienprojekt wurden einfach nicht getätigt. Auch der Nazi, der vom
    Security-Dienst festgehalten werden konnte und eindeutig Pfeffergas
    gesprüht hatte, taucht als Straftäter nicht mehr auf!

    Es wurden weder Fotos zur Wiedererkennung der Täter den Zeug*innen
    vorgelegt, noch ernsthaft der Tathergang rekonstruiert. Ernsthafte
    Strafverfolgung sieht sicherlich anders aus. Die Frage ist natürlich,
    warum die Wuppertaler Polizei so offensichtlich dilettantisch (nicht)
    ermittelt?

    Sind die Wuppertaler Behörden tatsächlich so unfähig und/oder faul, oder
    sind die Gründe für die „Strafvereitelung im Amt“ noch gravierender? Da
    die Polizeipräsidentin Radermacher, in ihren äußerst nervösen und
    unsouveränen Äußerungen zu dem Thema u.a. im Stadtrat, von verdeckten
    Ermittlungen in Nazikreisen sprach, ist es zu befürchten, dass an den
    Überfällen der Nazis V-Leute beteiligt waren und daher ernsthafte
    Ermittlungen nicht gewünscht waren, bzw. sind. Aufgrund der vielen
    deutschlandweiten Verbindungen würden sich Teile der Wuppertaler
    NS-Szene aus Sicht des Verfassungsschutzes dafür vortrefflich eignen.

    Spätestens seit dem Solinger Brandanschlag von 1993 wissen wir, das der
    hiesige Staatsschutz und NRW-VS zur Deckung seiner V-Leute (damals Bernd
    Schmitt mit seiner Kampfsportschule Hak Pao) auch mal seine
    Ermittlungsakten kreativ gestaltet bzw. Belastungen einfach weglässt.

    Autonome Antifaschist*innen aus Wuppertal – 20.10.2011

    Kampagne „Kein Bier für Nazis“:
    http://www.kein-bier-fuer-nazis.tk/

    Nichts und Niemand ist vergessen! Die Pogrome vom 9. bis zum 11.
    November 1938 in Wuppertal

    Wie überall im Deutschen Reich wurden zwischen dem 9. und 11. November
    1938 auch in Wuppertal neben der Zerstörung der Synagogen und Betsäle,
    zahlreiche jüdische Geschäfte und Privatwohnungen teilweise am helligten
    Tag verwüstet und geplündert.

    Die Täter brauchten nicht den Schutz der Nacht. Wenn die jüdischen
    Einrichtungen nicht restlos abbrannten, kamen sie bis zu dreimal an den
    Tatort wieder. Am 10. November um 4:00 Uhr brannte die Synagoge an der
    Genügsamkeitsstraße, um 8:00 Uhr wurde die Barmer Synagoge angezündet.
    Um 18:00 Uhr kamen die Brandstifter wieder in Genügsamkeitsstrasse und
    legten erneut Feuer. Die Friedhofskapellen am Weinberg und an der
    Hugostrasse brannten schließlich um 20:00 Uhr. Das Bettengeschäft
    Sigismund Alsberg in der Berliner Straße wurde dreimal angesteckt.
    Kissenbezüge und Betten wurden geraubt. Die Herzogstraße und die
    Königstraße in Elberfeld waren mit Waren und mit zertrümmerten
    Gegenständen aus jüdischen Geschäften übersät, auch die Textilhandlung
    Wolf und Heimann wurde geplündert.

    In der Grünstraße waren ganze Wohnungseinrichtungen aus dem Haus
    geworfen worden, in der Elberfelder Wortmannstraße wurde ein Auto in
    Brand gesetzt.

    Die Täter, unter ihnen der SS-Mann und Versteigerer Bruno Koepchen,
    fuhren mit der Kraftdroschke vor. In der Herzogstraße warfen sie beim
    Schuhhaus Tack und anderen jüdischen Geschäften mit Flaschen die
    Schaufensterscheiben ein. Der Fahrer brachte sie nach kurzem
    Zwischenstopp in der Kreisleitung der NSDAP zur Synagoge in die
    Elberfelder Genügsamkeitstraße. „Die Herren stiegen aus und begaben sich
    zur Synagoge. Da sie durch das Hauptportal nicht in die Synagoge hinein
    konnten, gingen sie von der Seite aus, durch den dort befindlichen
    Eingang in die Synagoge. Nach einiger Zeit sah ich dann, dass die
    Synagoge brannte.“

    Die Zerstörungen mussten die Juden per „Sühneabgabe“ selber zahlen.
    Insgesamt 1 Milliarde Reichsmark mussten reichsweit für die
    „Judenvermögensabgabe“ zum Ausgleich der Schäden aufgebracht werden. Die
    Finanzämter „gewährten“ Ratenzahlungen, die in fünf Raten eingezogen
    wurden. Wer jetzt noch auswandern konnte, musste auch den Rest seines
    Vermögens den deutschen Finanzämtern überlassen. Nach der Pogromnacht
    wurden 125 jüdische Männer aus Wuppertal in die Konzentrationslager
    Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Die Bilanz des Pogroms, das am 10.
    November offiziell für beendet erklärt wurde, war erschreckend: Über
    tausend Synagogen waren abgebrannt, mindestens 8000 jüdische Geschäfte
    zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Zwischen 90 und 100 Juden
    waren erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt worden. Hinzu
    kamen Millionenschäden an zerstörten Geschäftseinrichtungen und
    Schaufensterscheiben. Das alles wurde im Volksmund bald mit dem Begriff„Reichskristallnacht“ verharmlost