. .
  • Braune Zukunft in Dortmund? (Interview von 05.16)

    Gemeinsam blockieren, sabotieren, verhindern!

    Ein Interview der Gruppe i furiosi mit dem Antifaschistischen Arbeitszusammenhang #NOTDDZ über die geplanten Proteste in Dortmund gegen den „Tag der Deutschen Zukunft“

    Am 4. Juni findet der „Tag der deutschen Zukunft“ statt. Klingt gruselig, aber was ist das überhaupt?

    Das ist aktuell der größte Naziaufmarsch in Deutschland, der seit 2009 in verschiedenen Städten stattfindet. Ins Leben gerufen wurde er von der „Intitiative gegen Überfremdung“, die Deutschland und das „deutsche Volk“ gegen die sogenannte „Asylflut“ verteidigen möchte. Neben dem Hauptanliegen, die Angst vor der „Überfremdung“ zu schüren, spielen auch andere rechte Themen wie Antisemitismus, Schutz und Bewahrung der Volksgemeinschaft sowie Antiziganismus eine tragende Rolle. Letztes Jahr ist es in Neuruppin engagierten Antifaschist*innen erstmals gelungen, den Aufmarsch nach wenigen Metern zu blockieren und die Nazis zur Abreise zu zwingen. An diesen Erfolg möchten wir in Dortmund anknüpfen.

    Welche Bedeutung hat der „Tag der deutschen Zukunft“ in Anbetracht der aktuellen Flüchtlingsdebatte für die bundesweite Neonaziszene?

    In Zeiten von Pegida, AfD und Co. versuchen etablierte rechte Parteien, die bürgerliche Mitte für ihre Ziele einzuspannen. Seit immer mehr Menschen nach Europa flüchten, ist der allgemeine Ton in der Öffentlichkeit deutlich schärfer geworden. Rassistische und nationalistische Aussagen, die noch vor wenigen Monaten nicht möglich gewesen und auf breiten Widerstand gestoßen wären, sind heute fast schon an der Tagesordnung. Diese schleichende Radikalisierung der gesellschaftlichen „Mitte“ machen sich auch Neonazis zunutze. Speziell in Dortmund allerdings gelingt es ihnen nicht, Anschluss an „besorgte Bürger*innen“ zu finden. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Nazi-Gruppierungen gilt die Dortmunder Szene als sehr viel aggressiver und gewaltbereiter. Zu nennen sind hier neben den fünf durch Nazis begangenen Morden allein seit der Jahrtausendwende (einer davon wird dem NSU zugeschrieben) auch andere gewalttätige Aktionen, wie beispielsweise der sogenannte Rathaussturm 2014.

    Dies ist ja schon der achte „Tag der deutschen Zukunft“ und der erste der in Nord­rhein Westfalen stattfindet. Was sind Eurer Meinung nach die Gründe dafür, dass dieser gerade in Dortmund geplant ist?

    Die Dortmunder Neonazis bekommen durch diesen Aufmarsch die Chance, sich nach dem NWDO (Nationaler Widerstand Dortmund)-Verbot 2012 neu zu beweisen und ihre neuen Strukturen (Kreisverband der Partei Die Rechte) zu etablieren. Gleichzeitig sollen auch alte Kontakte verstärkt und neue geknüpft werden. Innerhalb der Naziszene galt Dortmund lange Zeit als besonders attraktiv, dieses Image soll neu belebt werden. Zudem gilt das Ruhrgebiet, vor allem auch die Dortmunder Nordstadt (in welcher der Aufmarsch stattfinden soll), seit jeher als stark proletarisch und migrantisch geprägt. Mit einem Aufmarsch in diesem Stadtteil wollen die Nazis den Teilnehmenden eine vermeintliche „Negativvision“ der „deutschen Zukunft“ vor Augen halten.

    Viele Antifaschist*innen können sich noch gut an den sog. „Antikriegstag“ der Neonazis in Dortmund erinnern. Protest wurde damals von der Polizei massiv unterdrückt. Wie schätzt ihr die Lage im Juni ein?

    Leider rechnen wir auch dieses Mal mit einer ähnlichen Polizeitaktik. Die hermetische Abriegelung der Route sowie ein mehrstufiges Absperrungskonzept im ganzen Stadtteil sind in der Vergangenheit immer Kern der polizeilichen Maßnahmen in Dortmund gewesen. Auch wird die Naziroute wie immer vermutlich bis zuletzt geheim gehalten werden. Außerdem wird mit einem Großaufgebot verschiedener Polizeieinheiten, inklusive schwerem Gerät, aus dem ganzen Bundesgebiet; gerechnet. Auf ein Verbot des TddZ durch Polizei oder Gerichte kann nicht gehofft werden. Das klingt alles erst mal nicht besonders einladend. In letzter Zeit zeichnet sich im Agieren Dortmunder Antifas jedoch eine Veränderung ab. Bei kleineren Kundgebungen im Stadtgebiet ist es immer wieder gelungen, besagtes Polizeikonzept zu destabilisieren und den Nazis ihre Aktionen zu vermiesen. Oft mussten sie vorzeitig abbrechen oder konnten ihre Veranstaltungen nur völlig isoliert ohne Publikum und unter massivem, lautem Gegenprotest abhalten.

    Wie sehen eure Aktivitäten im Vorfeld aus? Und wie kann man euch supporten?

    Wir mobilisieren sowohl Antifa-Gruppen als auch bürgerliche bzw. parteiliche Initiativen und Einzelpersonen aus ganz Deutschland, und zum Teil auch darüber hinaus, nach Dortmund. Grob gesagt: Alle, die an diesem Tag auf der Straße oder anderweitig zum Verhindern des Naziaufmarsches beitragen wollen, sind willkommen. Ihr könnt uns helfen, indem ihr unseren Aufruf (zu finden auf http://dortmund.no-tddz.org) verbreitet, euch zusammenschließt und gemeinsam am 4.6. nach Dortmund reist. Es wird Raum für die verschiedensten Arten von Protest geben, hierbei hierarchisieren wir nicht zwischen militanten Aktionen und zivilem Ungehorsam. Unserer Meinung nach müssen beide Konzepte ineinandergreifen, um den Naziaufmarsch konsequent zu verhindern. Alle Protestformen, die das starre Polizeikonzept ins Wanken bringen, sind wertvoll und hilfreich. Ziel ist es, den Naziaufmarsch gemeinsam zu blockieren, zu sabotieren und zu verhindern!

    Danke für das Interview, wie sehen uns in Dortmund!

    ANTIFA-Café diesmal mit
    Mobi-Vortrag zu den Protesten gegen den „Tag der deutschen Zukunft“ in Dortmund
    Dienstag, 24. Mai 2016 ab 19.00 Uhr
    Hinterhof – Linkes Zentrum, Corneliusstr. 108, Düsseldorf