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  • Es ist Zeit zu handeln

    rojavaDer Wind hat sich gedreht: nein zu religiösem Terror und autoritärer Gewalt. Solidarität mit dem kurdischen Rojava

    Wann, wenn nicht jetzt: Lassen wir unsere Solidarität mit Rojava und dem kurdischen Befreiungskampf im Irak praktisch werden – gegen den Terror der IS und für die sofortige Aufhebung des PKK-Verbots, das die kurdische Bevölkerung und ihre Organisationen bis heute in Europa kriminalisiert.*

    In den letzten Tagen haben die kurdischen KämpferInnen der Selbstverteidigungseinheiten der YPG aus Rojava (Westkurdistan/Syrien) und der HPG (Guerilla der PKK, Arbeiterpartei Kurdistans in Nordkurdistan/Türkei) gemeinsam in Südkurdistan/Irak einen humanitären Korridor zur Rettung der yezidischen KurdInnen geschaffen. Sie konnten zehntausende Menschen vor der Ermordung oder dem Tod durch Verdursten retten. Einen besonderen Anteil an diesem Erfolg haben die Fraueneinheiten der YPG und HPG. Diese haben in den letzten Tagen gemeinsam mit den Peschmergas aus Südkurdistan eine kurdische Einheitsfront gebildet und konnten u.a. das Flüchtlingslager Maxmur verteidigen und einige Dörfer und Städte vom IS-Terror befreien.

    Der Befreiungskampf in den kurdisch besiedelten Gebieten der Türkei, Syriens und des Irak ist eine Alternative zu den reaktionären Mächten der Region und zugleich zur imperialen Krisenpolitik des globalen Kapitalismus. Er ist eine Alternative zugleich für KurdInnen und AraberInnen, für MuslimInnen, ChristInnen, YezidInnen, AlevitInnen, AramäerInnen: für alle, die der Faschismus des „Islamischen Staats“ (IS) angreift und vernichten will!

    Die Kämpfe der KurdInnen können aber auch für uns, für die Linke und die sozialen Bewegungen in Europa, zum Bezugspunkt werden. Uns haben die Massaker in Syrien und im Irak, uns hat die Situation in Israel und Palästina die Sprache verschlagen. Wir haben zu lange geschwiegen. Höchste Zeit, sich zu bewegen, aufeinander zuzugehen, miteinander zu reden, gemeinsam zu handeln. Nehmen wir die kurdische Herausforderung, nehmen wir die kurdische Einladung an, treffen wir uns auf ihren Demonstrationen und Versammlungen hier in unseren Städten, lassen wir die Lähmung hinter uns.

    Es geht dabei nicht (nur) um etwas, was anderswo geschieht. CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne, deutscher Staat und deutsches Kapital: seit Jahrzehnten lieferten sie alle der türkischen Armee die Waffen zur blutigen Unterdrückung der KurdInnen im türkischen Staat. Sie alle unterstützten und unterstützen weiter Folterstaaten wie Saudi-Arabien oder Katar, die gemeinsam mit der Türkei die IS erst stark gemacht haben: als Kettenhunde gegen das kurdische Autonomieprojekt in Rojava wie gegen die syrische Demokratiebewegung – ohne den Mut der syrischen Revolutionär_innen, ohne ihre Unerschrockenheit in Damaskus, Homs und Daraa, ohne die Wucht der Freiheitsrevolte im syrischen Zentrum gäbe es heute auch keine kurdische Autonomie in Rojava. Zum Handeln gezwungen und in der Absicht, verlorene Kontrolle zurückzugewinnen, versuchen die westlichen Staaten jetzt, durch einseitige Unterstützung der Barzani-Regierung in Erbil „gute“ KurdInnen von „bösen“ KurdInnen zu trennen.

    Den Widerstand gegen diese Politik können wir nicht den KurdInnen überlassen: so wenig, wie wir sie im Widerstand gegen den IS-Terror allein lassen wollen. Wir alle sind gefragt. Die Solidarität, die Zusammenarbeit und Gemeinsamkeit ist gefragt, die wir als Anti-G8-Bündnis von Heiligendamm eingeübt haben, die Gemeinsamkeit, die wir im Bündnis Dresden Nazifrei, in der Mobilisierung gegen den Nato-Gipfel in Straßburg, bei Castor Schottern und im Blockupy-Bündnis zu bewähren wussten. Gefragt und herausgefordert ist, was wir als „Kommune von Europa“ immerhin zu denken versuchen.

    Ja, unsere Kräfte reichen gegen den Terror in Syrien und im Irak so wenig aus wie gegen das Krisenregime der Troika in Südeuropa oder den jahrzehntelangen Abbau der demokratischen und sozialen Rechte auch hier. Aber Anfang ist immer: das ist es, was uns die KurdInnen zeigen. Und: Jeder Anfang ist konkret. Für heute heißt das:
    Folgen wir den Einladungen der kurdischen GenossInnen, gehen wir mit ihnen auf die Straße, nehmen wir an ihren Versammlungen teil! Zum Beispiel bei den bundesweiten Antikriegsdemos am 1. September.
    Weg mit dem PKK-Verbot! Schluss mit der Drangsalierung und Kriminalisierung kurdischer Jugendlicher in Deutschland! Keine weiteren Waffenlieferungen: nicht nach Saudi-Arabien, nicht in die Türkei. Fangen wir damit an, jetzt.

    Für eine radikale gesellschaftliche Linke! biji kurd u kurdistan!

    Interventionistische Linke [IL] am 15. August 2014

    Solidarität konkret: Spendet!
    • Für eine Blutbank für Kobane. Infos unter http://www.medico.de
    • Für das Frauenzentrum SARA zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.
    Infos unter: http://frauenzentrumsara.blogsport.eu
    • Für den Wiederaufbau der Heyva-Sor-Zentrale in Kobanê. Infos unter: http://rojavasolidaritaet.blogsport.de

    Weitere aktuelle Nachrichten, Demotermine und Kontakte:
    http://www.firatnews.com, http://www.yekkom.com/, http://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/, http://tatortkurdistan.blogsport.de/

    * Im November 1993 wurden nach einer beispiellosen Hetzkampagne gegen die kurdische Bevölkerung in der BRD die PKK und alle ihr nahestehenden Organisationen als „Terrororganisation“ verboten. Es folgte eine Welle von Durchsuchungen und Verhaftungen. Durch öffentliche Hetze gegen Kurd_innen wurde ein Klima von Repression und Angst geschaffen, das von der simplen Gleichung bestimmt war: „Kurd_innen = PKK = Terrorist_innen“. In Hannover wurde am 30. Juli 1994 der jugendliche Kurde Halim Dener von einem deutschen Polizisten erschossen, weil er PKK-Plakate geklebt hatte. Die Repression trifft bis heute kurdische Kulturvereine und öffentliche Strukturen der kurdischen Bewegung, insbesondere aber kurdische Jugendliche und Aktivist_innen, die sie sich mit der Bewegung identifizieren und politisch engagieren.