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  • Genosse Jupp Angenfort gestorben

    Unser Freund und Genosse Josef „Jupp“ Angenfort ist tot. Wenn einer wie er geht, hinterläßt er eine Lücke, die nicht zu füllen ist. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen – zusammen mit ihnen und mit seinen GenossInnen werden wir Jupps Weg weitergehen.

    Jupp wurde 1924 in Düsseldorf geboren. Von den deutschen Faschisten in den Kieg gehetzt, erfuhr er, dass die Menschen in Sowjetunion ganz anders sind als die deutsche Propaganda dem Volk mit allen raffinierten Methoden vorlog. Er traf bei seiner Gefangennahme erstens auf sowjetische Soldaten, die ihn nicht erschossen und und zweitens auf einen sowjetischen Soldaten, der sich mit ihm in der deutschen Sprache über den Philosophen Feuerbach unterhalten wollte, und drittens stellte sich ihm ein sowjetischer Major in der in deutscher Sprache geführten Unterhaltung als Jude vor, dessen jüdische Ehefrau von den Deutschen erschossen wurde.

    „Vielleicht werden Sie das heute nicht mehr so verstehen. Damals war es für mich von größter Bedeutung; denn am ersten Tag der Kriegsgefangenschaft brach das ganze Lügengebäude zusammen mit dem man uns in den Krieg und in die Schlacht gejagt hatte,“ sagtest er später seinen Richtern.

    1949 kehrte Jupp in seine Heimatstadt Düsseldorf zurück, wurde Mitglied und bald darauf Vorsitzender der Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) in Westdeutschland. 1951 wurde Jupp für die KPD der jüngste Landtagsabgeordnete in Nordrhein-Westfalen.

    Die FDJ in Westdeutschland beteiligte sich 1951 an der Vorbereitung einer Volksbefragung zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Am 24. April 1951 erging ein Verbotsbeschluss der Bundesregierung, der die Volksbefragung gegen Remilitarisierung, deren Ausschüsse sowie vier namentlich genannte Organisationen (die VVN, die FDJ, den Gesamtdeutschen Arbeitskreis für Land- und Forstwirtschaft und das Deutsche Arbeiterkomitee) beschuldigte, „einen Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes“ zu unternehmen bzw. sich gegen die „verfassungsmäßige Ordnung“ zu richten; sie seien „daher durch Artikel 9 Absatz 2 GG kraft Gesetzes verboten“.

    Seine Immunität als Landtagsabgeordneter der KPD in NRW konnte Jupp Angenfort als Vorsitzenden der FDJ in Westdeutschland im März 1953 nicht vor der Festnahme durch die Sicherungsgruppe Bonn des Bundeskriminalamts bewahren. Er wurde wegen Hochverrats angeklagt und vom Bundesgerichtshof wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, wegen Geheimbündelei und Zugehörigkeit als Rädelsführer zu einer verfassungsfeindlichen Vereinigung zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe (!) verurteilt. Gegen ihn wurde wohl das erste Zuchthausurteil eines bundesdeutschen Gerichts wegen einer politisch motivierten Straftat nach 1945 gefällt, das höchste Strafmaß, das überhaupt in dieser Zeit gegen Kommunisten verhängt wurde.

    Als er im Februar 1962 erneut festgenommen wurde, floh Angenfort von einem Gefangenentransport, ging in die Illegalität und setzte sich später in die DDR ab. Nach der Gründung der DKP im Jahre 1968 reiste Angenfort mehrfach illegal zu Auftritten auf Parteiveranstaltungen in die Bundesrepublik ein, dabei wurde er im Jahre 1969 festgenommen, jedoch am 25. April wieder auf freien Fuß gesetzt.

    Lange Jahre war Jupp Angenfort Mitglied der illegalen Leitung der KPD und dann Präsidiumsmitglied der DKP. Von 1988 bis 2002 war er Landesvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA); bis zu seinem Tode war er einer ihrer Landessprecher in Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Bundesausschusses der VVN-BdA.

    Für uns als jüngere Düsseldorfer AntifaschistInnen war Jupp immer da, wenn es darum ging, Solidarität zu geben oder irgendwo Druck zu machen, damit eine Naziaktivität unterbunden werden konnte. Jupp, du wirst fehlen!

    Antifa-KOK