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  • Pressemitteilung des Düsseldorfer Bündnis gegen den Nazi Spuk:

    PM + Anwohner_innen Flugblatt vom 12.11.2011:
    Antifaschistinnen und Antifaschisten informieren Kaiserswerther
    Bürgerinnen und Bürger über Fackelmarsch von Neonazis
    Polizei verschweigt den Vorfall

    Antifaschistinnen und Antifaschisten verteilten heute morgen, am 12.11.2011, im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth Informationsmaterial an Anwohnerinnen und Anwohner und Passantinnen und Passanten, um diese über den Neonaziaufmarsch am Abend des 8. Novembers zu informieren. Gleichzeitig kritisierten die Aktivistinnen und Aktivisten die Polizei dafür, der Öffentlichkeit Informationen, auch noch Tage danach, über den Aufmarsch vorenthalten zu haben.

    Die Informationspolitik der Düsseldorfer Polizei ist dabei absolut nicht nachvollziehbar. Offenbar wurde diese erst durch Anrufe entsetzter Anwohnerinnen und Anwohner auf den Aufmarsch aufmerksam. Vor Ort nahm die Polizei von einigen wenigen Neonazis die Personalien auf, war aber offenbar nicht in der Lage, den Spuk zu beenden.

    Dabei dürften gerade die Kaiserwerther ein Interesse an einer
    umfassenden Aufklärung haben, denn diesen bot sich in der Nacht zum 9.
    November, dem Jahrestag der Novemberpogrome, rund um den Kaiserswerther
    Markt eine gespenstische Szenerie : Etwa 60 bis 70 Neonazis aus dem
    Spektrum der als gewaltbereit bekannten sogenannten „Autonomen
    Nationalisten“ führten einen nicht angemeldeten und konspirativ
    vorbereiteten „Fackelmarsch“ durch. Die Neonazis verbargen ihre
    Gesichter hinter weißen Masken, trugen Fackeln und zündeten
    Feuerwerkskörper.

    Susann Lopez, Sprecherin des Düsseldorfer Bündnisses gegen den Nazi-Spuk:
    „Es ist absolut unverständlich, dass die Düsseldorfer Polizei diesen
    bizarren Aufmarsch gewaltbereiter Neonazis für nicht erwähnenswert hält
    und das Ereignis offenbar unter den Teppich kehren möchte. Das
    Verschweigen von neonazistischen Aktivitäten ändert nichts daran, dass
    es sie auch hier in Düsseldorf gibt. Im Gegenteil:
    Zivilgesellschaftliches Handeln gegen Neonazismus braucht Öffentlichkeit!“

    Für Fragen stehen wir Ihnen unter 0172/2111311 zur Verfügung.

    weitere Informationen entnehmen sie dem Flugblatt:

    Das Düsseldorfer Bündnis gegen den Nazi-Spuk informiert
    Liebe Anwohnerinnen und Anwohner in Kaiserswerth!
    Viele von Ihnen werden es wissen oder sogar gesehen haben: Am späten Abend des 8. November
    2011, dem Vorabend des Jahrestages der Novemberpogrome 1938, zogen zirka 60 bis 70 Neonazis
    durch Kaiserswerth. Vermummt mit weißen Theatermasken, in Reihen laufend, nationalsozialistisches
    Liedgut singend und ausgestattet mit Fackeln und allerlei pyrotechnischen Gegenständen – von der
    Rauchbombe bis zum Feuerwerkskörper – zogen sie zirka 10 bis 15 Minuten durch die Straßen am
    Kaiserswerther Markt. Dann verschwanden sie wieder. Immerhin aber konnte die Polizei noch einige
    von ihnen stoppen und ihre Personalien aufnehmen.

    Woher kamen diese Neonazis?
    Bei den Neonazis handelte es sich um so genannte „Autonome Nationalisten“ bzw. „Freie
    Kameradschaften“ aus mehreren Städten im Rheinland: aus Wuppertal, Leverkusen, dem Kreis
    Mettmann, dem Rheinkreis Neuss, Köln, dem Rhein-Erftkreis und dem Aachener Raum, sogar einige
    aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz. Und natürlich aus Düsseldorf selber. Sie sind vernetzt in
    Strukturen, die sich „Aktionsgruppe Rheinland“ und „Aktionsbüro Mittelrhein“ nennen.
    Bundesweit versuchen sich Neonazis seit einiger Zeit an einer neuen Kampagne: Sie nennt sich
    „Volkstod stoppen – unsterblich werden“. Inhaltlich wird ein drohender „Volkstod“ – u.a. durch
    „Völkervermischung“ und „Kinderarmut“ – halluziniert. Als Aktionsform werden nicht bei der Polizei
    angemeldete und auch nicht öffentlich angekündigte Aufmärsche gewählt: theatralische Inszenierungen im Schutz der Dunkelheit, mit Musik untermalt und mit Masken, Fackeln und Feuerwerkskörpern ausgestattet.

    Aber wieso ausgerechnet in Kaiserswerth?
    Den Neonazis gilt Düsseldorf als Gebiet, in dem sie bisher aufgrund vielfältiger antifaschistischer
    Aktivitäten wenig bis gar nichts zu melden hatten. Eben daran versuchen sie zur Zeit etwas zu ändern, erklären Düsseldorf zur umkämpften „Frontstadt“, trauen sich aber noch nicht, derartige Aufmärsche im Innenstadtbereich durchzuführen. Orte und Dauer der „unsterblich“-Aufmärsche werden zumeist auch so gewählt, dass es für die Polizei, aber auch für Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht möglich ist, rechtzeitig in ausreichender personeller Stärke vor Ort zu sein. Und natürlich ist ihnen auch das Ambiente bzw. die Atmosphäre wichtig. Es ist schließlich ein Unterschied, am Kaiserswerther Markt aufzumarschieren oder beispielsweise durch Garather Betonschluchten zu ziehen.

    Wieso am 8. November?
    „Klasse Aktion, schön mal was aus Düsseldorf zu hören und das zu einem solch geschichtsträchtigen
    Datum!“, kommentierte später ein auswärtiger Neonazi die Aktion im Internet. Geschichtsträchtiges
    Datum? Natürlich ist es kein Zufall, dass die Neonazis ausgerechnet an diesem Abend auftauchten.
    Man wollte damit an den „Hitlerputsch“ vom 8. und 9. November 1923 erinnern: „Dasselbe Streben von damals nach einem freien, geeinten und gerechten Reich der Deutschen führt auch heute noch junge, treue Deutsche raus auf die Straße“, schreiben sie. Ein Aufmarsch mit einer derartig eindeutigen NSVerherrlichung wäre von den Behörden ziemlich sicher verboten worden, ein Grund mehr für die Neonazis, diese und keine andere Aktionsform zu wählen. Die Masken dienen hierbei sowohl der Mystifizierung und Vergemeinschaftung als auch dem Schutz davor, erkannt und belangt zu werden.

    Was bleibt?
    Wir hatten es hier also eindeutig mit einem Aufmarsch der gewaltbereiten Neonazi-Szene zu tun.
    Denjenigen, die den Aufmarsch gesehen haben, dürfte das sofort klar geworden sein. Die meisten
    anderen konnten nur darüber rätseln, was geschehen war. Auch die Medien berichteten erst nach
    Tagen, was insbesondere daran liegt, dass es seitens der Polizei nicht wie ansonsten üblich eine
    Pressemitteilung gab. Warum dieses unterblieb, entzieht sich unserer Kenntnis. Dass sich
    Neonazismus nicht totschweigen lässt, sollte sich eigentlich zwischenzeitlich herumgesprochen haben.

    Falls Ihnen etwas im Zusammenhang mit dem genannten Aufmarsch aufgefallen ist oder Ihnen
    Informationen über neonazistische Aktivitäten in Kaiserswerth vorliegen, informieren Sie uns bitte, Ihre Anrufe und E-Mails werden natürlich vertraulich behandelt.

    Wir bedanken uns für Ihr Interesse!
    Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
    Antifaschistinnen und Antifaschisten aus Düsseldorf und dem Umland
    Kontakt:
    Tel.: 0172 / 211 13 11
    E-Mail: info@antifa-duesseldorf.de Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder kok@free.de Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder aipd@riseup.net Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
    V.i.S.d.P.: Susann Lopez, Ddorfer Bündnis gegen den Nazi-Spuk, Corneliusstr. 108 (Hinterhof), Düsseldorf