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  • Roter Teppich in Flingern nicht ohne pinken Protest

    Flingern ist hip. Heute feiern sich die trendigen Szeneläden dort erneut selbst. Wir sind dabei und werden Flugblätter und pinke Soli-Aufkleber verteilen, um auf den Luxusbau der Immobilienfirma Ralf Schmitz („Unter den Linden“) aufmerksam zu machen. An Stelle des abgerissenen Bunkers an der Lindenstrasse werden dort im Moment Luxuswohnungen gebaut, die bis zu 1,5 Millionen Euro kosten werden. Dieses Projekt wird zu einer Verteuerung der umliegenden Mietwohnungen führen.
    Schon heute liegen die Neumieten in Flingern weit über dem Durchschnitt in Düsseldorf, so dass sich selbst die InhaberInnen der Szeneläden immer seltener die Laden-, wie auch die Wohnungsmieten leisten können. Wir wollen mit der Flugblattverteilung auf die schleichende Gentrifizierung Flingerns aufmerksam machen, die schon heute nicht mehr zu übersehen ist und gegen Projekte, wie sie in der Lindenstrasse entstehen, protestieren. Bereits im Vorfeld sind Sprüh- und Plakataktionen aufgefallen, die sich in den pinken Protest einreihen. So wurden rund 20 pinke „Quadratmeter“ auf den Boden rund um das Neubauprojekt gesprüht, um auf die steigenden Preise und damit die Selektion der BewohnerInnen aufmerksam zu machen.Flingern statt Notting Hill!

    Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,

    Direkt vor unserer Tür werden neue Luxuswohnungen an Stelle des abgerissenen Hochbunkers an der Lindenstraße gebaut. Der Bunker war bis vor einigen Jahren in öffentlicher Hand und gehörte dem Bundesamt für Immobilienaufgaben. Die Fläche war von einem Gebrauchtmöbelladen gemietet. Fünf Geschosse, mehrere individuell nutzbare Räume: die Fakten sprachen für eine Sanierung. Seit dem Leerstand des Gebäudes ab September 2008 gab es Überlegungen den Bunker z.B. zur sinnvollen Nutzung für Jugendliche, als Proberäume oder als preiswerten Wohnraum umzubauen.

    Jedoch waren Sanierung angeblich nicht wirtschaftlich, vielleicht war aber einfach nur die Rendite zu niedrig. 2165 Quadratmeter Nutzfläche verschwanden. Doch auch so hätte es vielfältige soziale und kreative Möglichkeiten der Flächennutzung gegeben. Aber statt dessen wurde das Gelände an einen privaten Investor versteigert, ohne dass die Stadt ein Gebot für das Gelände abgab. Der Höchstbietende will jetzt ein Luxuswohnprojekt bauen. Die Stadt unterließ jeden Versuch, das Gelände im Sinne der Bevölkerung zu nutzen. In der Sitzung der Bezirksvertretung Flingern am 01.12.2009 stimmten bis auf die Linke alle Parteien der Bauvoranfrage des Investors Ralf Schmitz zu, anstatt die Fläche unmittelbar neben der Schule für ein soziales Projekt oder preiswerten Wohnraum zu sichern.

    Zum Zeitpunkt der Abstimmung war der Bunker schon zwei Monate abgerissen und die Planung für das Luxusprojekt mit 18 Wohnungen lief auf Hochtouren. Die neuen Wohnungen mit durchschnittlich 160 m² kosten 4300-4500 Euro pro m². Somit wird das einst öffentliche Gebäude privatisiert, an Wohlhabende verkauft. Mindestens 13 Wohnungen sind bereits verkauft – auch an KapitalanlegerInnen, die nicht in den Wohnungen leben werden.

    Direkt vor unserer Tür manifestiert sich damit ein Prozess, der im wissenschaftlichen und landläufigen Diskurs „Gentrifizierung“ genannt wird. Gentrifizierung ist eine Folge der Umgestaltung unserer Stadt nach Wirtschaftsinteressen, also kapitalistischen Kriterien, die die Aufwertung einzelner Stadtviertel wollen und deswegen protegieren und aktiv fördern. Düsseldorf positioniert sich gegenüber anderen Städten als Luxusstadt, das ist eine bewusste Entscheidung der PolitikerInnen, keine natürliche Folge der Stadtentwicklung.

    Dieser Prozess betrifft besonders unseren Stadtteil Flingern: Anders als die etablierten Viertel für Wohlhabende in Oberkassel, Kaiserswerth und anderswo lebten hier auch immer viele einfache Leute. Mit der so genannten Aufwertung des Stadtteils verlieren diese Leute ihre Heimat und werden durch neue wohlhabendere BewohnerInnen ersetzt und in die Randbezirke Düsseldorfs gedrängt.

    Erfahrungsgemäß strahlen Symbolprojekte wie diese Luxuswohnungen über die eigenen Grenzen hinaus. Sie ziehen einen weiteren Schritt der Aufwertung nach sich: Dem ersten unabhängigen Modelabel folgen etablierte Designboutiquen, dem ersten Szenelokal folgt der teure Edelitaliener. So folgt jetzt auch der flingeraner StudentInnen- und KünstlerInnenszene das gehobene Bürgertum, so dass nicht nur die alte angestammte Bevölkerung verdrängt wird, sondern eben auch die StudentInnen und Kreativen weichen müssen, obwohl diese erst für die Attraktivität Flingerns gesorgt haben.

    Was also in unserer Umgebung passieren wird, ist ein Austausch der BewohnerInnen. Gering Verdienende müssen gehen oder in kleinere Wohnungen ziehen, während Menschen mit hohem Einkommen einziehen. Das führt dazu, dass sich auch die Infrastruktur dementsprechend verändern wird und das kippt Öl ins Feuer des Aufwertungskreislaufes.

    Wir fordern daher:
    BewohnerInnen orientierte Sanierung statt Renditeobjekte für InvestorenInnen!
    Wohnraum für alle statt Luxuswohnungen nur für wenige!

    Oder einfach: Flingern statt Notting Hill!